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Was ist Geld? Teil 1

GeldPosted by Gerhard Bastir 14 Sep, 2009 14:59:32
In der Frühzeit unserer Menschheit war jeder Einzelne - als Jäger und Sammler - auf sich selbst angewiesen für Nahrung und Überleben zu sorgen. Mit der Sesshaftwerdung veränderten sich die Bedürfnisse und die Menschen erwarben unterschiedliche Befähigungen. Ein guter Jäger musste nicht notwendigerweise auch ein guter Sammler sein, und so erkannten die Menschen bald, dass es zu ihrem beiderseitigen Nutzen war, auf diese speziellen Fähigkeiten zu zählen. Der Jäger begann, seine nicht selbst verspeiste Beute (seine Ersparnis) beim Sammler z.B. gegen Beeren einzutauschen, die dieser nicht für seinen persönlichen Verbrauch (seine Ersparnisse) benötigte. Dies schien diesem möglicherweise vorteilhafter als selbst auf die Jagd zu gehen. Dies war ein erster Schritt in eine arbeitsteilige Gesellschaft.
Dieser Prozess des wirtschaftlichen Handelns bedarf immer zwei Parteien und wird „Barter“-Geschäft“ genannt. Wenn der Jäger an den Sammler ein Stück Fleisch übergibt und umgekehrt der Sammler an den Jäger Beeren, dann ist das eine abgeschlossene Barter-Transaktion. Beide Parteien sind zufrieden und beide haben von diesem Handel profitiert. Das Problem mit den Barter -Transaktion liegt aber darin, dass z.B. der Jäger an Beeren interessiert ist, der Sammler aber nicht an Fleisch. In diesem Fall käme der Handel nicht zustande. Diese Hürden zu umgehen ist der fundamentale Zweck von Geld. Alles was diesen Zweck erfüllt, kann also im weitesten Sinn als „Geld“ bezeichnet werden. Um diesen Zweck zu erfüllen, muss „Geld“ allgemein dafür akzeptiert sein wechselseitig Schulden zu begleichen. Es genügt also, dass Geld ein Konsens der Gesellschaft ist, etwas, das nicht notwendigerweise inneren Wert besitzt, im Markt gegen etwas einzutauschen, das sehr wohl für uns einen Wert darstellt.
In einer bestimmten Weise ist somit „Geld“ auch ein Informationsträger. Sein Besitz zeugt dafür, dass sein Inhaber einem anderen Mitglied der Gesellschaft einen Wert geliefert hat und deshalb das Recht hat einen anderen Wert in gleicher Höhe zu erhalten. Zur Verdeutlichung wollen wir diese Form des Geldes „Warengeld“ bezeichnen.
Im Laufe der Zeit, wurden unterschiedliche Dinge als „Geld“ verwendet wie z. B. Salz, Haustiere, Getreide, Tabak, Kauri-Muscheln. Diese dinglichen Formen von Geld, hatten den Vorteil dass ihr Wert und ihre Echtheit einfach ermittelt werden konnten. Eine bestimmte Form dieses dinglichen Geldes waren auch Edelmetalle. Gold und Silber, vor allem in Form von Münzen, wurden gerne deshalb verwendet, weil sie eine hohe Haltbarkeit und geringes Volumen aufwiesen.
Diese Edelmetalle wurden mit hohem menschlichen Aufwand abgebaut und die verfügbaren Mengen waren limitiert und konnten nicht beliebig vermehrt werden. Um seinen Besitz an diesem Geld zu vermehren musste man (wenn man nicht erfolgreicher Goldgräber war) Produkte oder Dienstleistungen herstellen an denen andere so interessiert waren, dass sie ihrerseits bereit waren, diese gegen ihr Gold einzutauschen.
Was für die einzelnen handelnden Personen galt, galt auch für ganze Länder. Ein Herrscher konnte nur soviel Geld ausgeben, als er von seinen Untertanen an Steuern eintreiben konnte. Als nachteilige Eigenschaft dieser begrenzten Verfügbarkeit von Geld war, dass deshalb auch Kriege geführt wurden um entweder das Steuergebiet zu erweitern oder die feindliche Bevölkerung zu berauben oder sich der Rohstoffe dieses Landes zu bedienen. Es konnten sich aber nur reiche Herrscher Kriege leisten und wenn der Raubzug nicht erfolgreich war musste der Krieg wegen Geldmangel beendet werden.
Bereits zu dieser Zeit waren Herrscher versucht, ihren Bestand an Geld dadurch zu vermehren, dass den Edelmetallen andere Metalle beigemischt wurden und damit Münzen mit geringerer Reinheit zu erzeugen. Derartige Münzen waren nicht so begehrt und hatten dadurch weniger Kaufkraft (erstes Auftreten von inflationären Tendenzen).
Solche Versuche gab es auch im privaten Bereich, in dem anfangs an der Oberfläche der Münzen Material abgeschabt wurde um sie leichter zu machen, was durch immer aufwendigere Prägungen erschwert wurde, später durch Abzwacken der Ränder was mit Rändelung oder Randprägungen erschwert wurde.
Übergang von Gewicht auf Nominalwert!!!!
Um das Risiko von Raub und Verlust zu verringern kam man auf die Idee Gold bei Goldschmieden die im allgemeinen gut für die Lagerung ihrer Goldbestände ausgerüstet waren, gegen Aushändigung eines Papierzettels als „Einzahlungsbestätigung“ und gegen Bezahlung einer Gebühr zu hinterlegen und es entwickelte sich ein System, in dem Goldschmiede bereit waren wechselseitig die Bestätigungen ihrer Kollegen zu akzeptieren und gegen die Übergabe der Bestätigung ihr Gold dem Überbringer auszuhändigen. Auf diese Weise musste das Gold nicht transportiert werden um Handel über größere Distanzen zu tätigen.
Verzichtete ein Eigentümer bei der Übergabe seines Goldes an den Goldschmied auf dessen jederzeitige Entnahme um es z.B. für ein ganzes Jahr zu überlassen, war dies dem Goldschmied die Bezahlung von Zinsen wert. So konnte er es an jemand Anderen gegen das Versprechen verleihen es zu einem späteren Zeitpunkt zuzüglich (höherer) Zinsen zurückzuzahlen. Der Besitzer (Gläubiger) verzichtete somit zugunsten des Kreditnehmers (Schuldner) auf die Verwendung seines Goldes.
Diese Versprechen können in schriftlicher Form als Wechsel, Schuldschein, Buchgeld und in heutiger Zeit Plastikkarten oder elektronische Aufzeichnungen in Computern dargestellt werden.
Wir sprechen in dieser Form von Kreditgeld oder noch besser von Kredit, da es sich genaugenommen nicht um Geld handelt. Im Gegensatz zu Warengeld welches ein Nachweis über bereits geleistete Arbeit und daher unvergänglich ist, handelt es sich bei Kredit um ein Versprechen, in der Zukunft eine Leistung zu erbringen und es(er) verschwindet wenn die Leistung erbracht ist; der Schuldschein wird zerissen.
Diese „Schuldscheine“ und „Einzahlungsbestätigungen“ wurden in zunehmenden Masse genutzt, so daß es den Goldschmieden gelang ihre Kunden davon zu überzeugen an Stelle der Auszahlung des Kredites in Gold eine solche in Form von Papier zu akzeptieren. Da es sich herausstellte, dass nicht immer alles Gold im Umlauf war, sich also immer Goldbestände in den Tresoren der Goldschmiede verblieben, wurden mehr Kredite in Form von Papier in Umlauf gebracht als tatsächlich an Goldbeständen vorhanden war. Genaugenommen war dies aber Betrug, da feststand dass nicht alle Inhaber dieser Papiere diese gleichzeitig gegen Gold eintauschen werden können. Das fraktionale Reserve Bankwesen war erfunden.
Die Goldschmiede wurden durch diese Tätigkeiten sehr vermögend, ohne in ihrem eigenen Handwerk mit der Schaffung von realen Werten wie der Erzeugung von Schmuckgegenständen beschäftigt zu sein.
Aus den Goldschmieden wurden im Laufe der Zeit Banken und die Bestätigungen wurden als Banknoten bezeichnet. Das Papiergeld war erfunden.
In Krisenzeiten konnte es aber vorkommen, dass mehr Leute als sonst üblich ihre Papiere in Gold umtauschen wollten, so dass die Banken nicht in der Lage waren jedem „sein“ Gold auszuhändigen, die Bank machte Pleite und die Anleger waren geschädigt.

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