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Warren Moslers "Weichgeld Ökonomie"

GeldPosted by Gerhard Bastir 16 Jul, 2010 00:35:01

Unlängst habe ich einen Artikel von Warren Mosler gelesen „Soft Currency Economics“. Er ist bereits 1994 erschienen, sein Titel, übersetzt als „Weichgeld Ökonomie“, beschreibt überzeugend wie das allgemeine Missverständnis über die Zusammenhänge unseres heute angewendeten Geldsystems zu unerfreulichen und den Wohlstand der Bürger schädigenden politischen Entscheidungen führt. Das Original in englischer Sprache ist hier nachzulesen.

Er beginnt mit folgenden Feststellungen:

Inmitten großem Überfluss predigen unsere Politiker Enthaltsamkeit. Es wird uns erzählt, unser Gesundheitssystem sei unfinanzierbar, obwohl Spitalsbetten leersteten. Es wird uns erzählt, wir könnten es uns nicht leisten mehr Lehrer einzustellen, obwohl es genügend arbeitslose Lehrer gibt. Und es wird uns erzählt, wir könnten es uns nicht leisten, an den Schulen Essen auszugeben, obwohl Nahrungsmittel weggeworfen werden.

Die folgende Abhandlung wird mit einer Erklärung über die Funktionsweise eines Fiat Geldsystems beginnen und die Wirkungsweise unseres heutigen Banksystems beschreiben.

Die folgenden Punkte sollen beleuchtet werden:

  • Monetäre Maßnahmen bestimmen den „Preis„ des Geldes und nur mittelbar die Geldmenge. In dem die Zentralbank dem Finanzsystem Reserven zuführt oder wegnimmt, bestimmt sie das kurzfristige Zinsniveau. Auch Entscheidungen der Regierung über Ausgaben, Steuern und Ausgabe von Anleihen haben darauf Einfluss.
  • Veränderungen in der Geldversorgung verursachen Änderungen in den Bankreserven und in der Geldmenge, nicht umgekehrt der sogenannte Geldmengen Multiplikator.
  • Monetisierung von Schulden findet nicht statt.
  • Der Hintergrund für Staatsanleihen ist, dem Banksystem Überschuss- Reserven zu entziehen, dadurch das Zinsniveau zu beeinflussen und nicht die Mittel für Ausgaben zu schaffen, die durch Einnahmen nicht gedeckt sind. Und: Ausgaben des Staates bilden 1 zu 1 die Überschuss-Reserven im Banksystem.
  • De facto sind die Staatsschulden ein Konto zur Steuerung des Zinsniveaus.
  • Die Haushaltspolitik bestimmt die Menge neuen Geldes das der Staat der Wirtschaft zuführt. Somit ist die Staatsschuld im wesentlichen die Summe des der Wirtschaft zugeführten Geldes.
  • Die Kombination aus Ausgaben, Steuern und Anleihen sind nicht in ihrer absoluten Höhe eingeschränkt, sondern in ihrer jeweiligen Auswirkung auf das beabsichtige Ergebnis. Die Entscheidung über die Höhe der Anleiheemissionen und der Steuern basieren auf den unterschiedlichen Auswirkungen der Maßnahmen und nicht auf die Erzielung eines ausgeglichenen Budgets

Beleuchtet müssen auch die Fragen werden:

  • Was passiert, wenn die Anleihen nicht gekauft werden?
  • Wie müssen die Ausgaben strukturiert werden um Inflation zu vermeiden?
  • Wie kann Vollbeschäftigung UND Preisstabilität gewährleiste werden?
  • Welch Rolle spielt der Außenhandel?

Bevor er sich der Diskussion zuwendet wird auf die Rolle des Fiat Geldsystems eingegangen.

Historisch haben sich drei Kategorien von Geld entwickelt:

  • Warengeld
  • Kreditgeld
  • Fiat Geld

Warengeld aus einem dauerhaften Medium mit einem inneren Wert, wie z.B. Gold oder Silber,

Kreditgeld bezieht sich auf eine Schuld (Verbindlichkeit) die eine Person oder Firma eingeht und

Fiatgeld als eine Steuergutschrift ohne Deckung durch materiellen Vermögenswert.

Als der Goldstandard 1971 zugunsten des Fiatgeldes abgeschafft wurde, hat sich bei gleichem Aussehen, die Eigenschaft von Geld grundlegend geändert; es wird jetzt nur mehr deshalb allgemein akzeptiert, weil es zur Begleichung von Steuerschulden erforderlich ist. Staatliches Fiatgeld bedeutet, dass Staatsausgaben nicht auf Einnahmen beruhen. Die Regierungen haben bei einem Budgetüberschuss nicht mehr Geld zur Verfügung als bei einem Defizit. Die Ausgaben sind so hoch oder so niedrig wie es der Regierung beliebt. Es gibt kein finanzielles Limit. Natürlich beeinflussen die Höhe der Ausgaben, der Steuern und der Anleihen die Inflation, das Zinsniveau, die Kapitalbildung und andere ökonomische Phänomene, aber die Menge des zur Verfügung stehenden Geldes ist unabhängig von Steuereinnahmen und Kreditaufnahmen (Anleihen). Die einzigen finanziellen Einschränkungen sind die sich selbst auferlegten.

Ursprünglich waren Kreditaufnahme und Steuereinnahmen ein Prozess zur Steuerung der Goldreserven. Leider beruhen die heutigen Überlegungen über das Bankwesen und Fragen des öffentlichen Haushalts immer noch auf den damaligen Bedingungen. Während manches aus dem alten Modell für das Verständnis der Funktion des Bankwesens nützlich sein kann, gibt es vieles das überholt ist und nur zu Verwirrung und falschen Schlüssen führt. Zwei dieser Überbleibsel sind die Rolle der Bankreserven (einschließlich des Begriffs des Geldmengenmultiplikators) und das Konzept der Monetisierung.

Bankreserven

Die Bedeutung der Reserven wird vielfach missverstanden, weil sie mit den Kapitalerfordernissen verwechselt werden. Während Kapitalerfordernisse (wie z.B. Basel II) die Minimalerfordernisse für die wirtschaftliche Standfestigkeit von Banken darstellen, sind Reserven ein Mittel zur Bestimmung der Höhe des Zinses, zu denen Banken Geld verleihen.

Der Geldmengenmultiplikator

Er bestimmt der herrschenden Lehre nach das Kreditvolumen, das bei Einhaltung der Reservevorschriften maximal von den Banken verliehen werden kann. Unabhängig von den jeweiligen tatsächlichen Vorschriften, wird im allgemeinen von 10% ausgegangen, was somit den Banken ermöglichen soll, aus einer Einlage von €100 ein Kreditvolumen von €1000 zu vergeben. Tatsächlich ist es aber genau umgekehrt. Die Banken vergeben so viele Kredite wie sie kreditwürdige Schuldner finden können und beschaffen sich danach die nötigen Reserven um den Vorschriften zu genügen. Entweder von anderen Banken (billiger) oder von der Zentralbank (teurer). Banken entscheiden auf der Basis des Preises (Zinssatz) von Reserven, nicht der Menge. Wenn die Differenz zwischen erzielbarem Zinssatz und dem der Zentralbank groß genug ist, wird auch eine Bank ohne ausreichende Reserven sich entscheiden einen Kredit zu vergeben. Anhänger der Theorie des Geldmengenmultiplikators glauben, dass die Zentralbank Anleihen aufkaufen kann, um die Geldmenge zu erhöhen. Wenn dadurch aber die Reserven über das vorgeschriebene Maß erhöht werden, führt das zu einem unerwünschten Absinken der Zinsen, was dazu führt, dass zum Erhalt des gewünschten Zinsniveaus die Zentralbank die eben zugeführten Überschussreserven wieder dem System durch Aufkauf von Wertpapiere entziehen muss. Umgekehrt, würde eine gewünschte Verringerung der Geldmenge durch Abziehen von Reserven, wo es keine Überschussreserven gibt, manche Banken in Schwierigkeiten bringen ihre Reservevorschriften einzuhalten. Die Zentralbank hat somit keine andere Möglichkeit diese Reserven wieder in das Bankwesen rückzuführen und dadurch auch das Ansteigen des Zinsniveaus zu verhindern.

Dadurch wird klar:

  • Durch die Inelastizität des Bedarfs an Bankreserven kann die Zentralbank nicht die Geldmenge steuern, sondern nur deren Preis.
  • Nur die Marktteilnehmer mit direktem und unmittelbarem Einfluss auf die Geldmenge steuern diese und nicht die Zentralbank
Der Mythos von Debt Monetization

Debt Monetization wird allgemein als der Vorgang beschrieben, wenn Zentralbanken im Primärmarkt Staatsanleihen kaufen. Mit anderen Worten der Staat borgt sich Geld nicht von privaten Investoren, sondern von der Zentralbank. Es wird auch als „printing money“ beschrieben. Debt Monetization, wird gesagt, vergrößere die Geldmenge und kann zu Inflation führen. Tatsächlich ist es aber so dass diese Befürchtungen unbegründet sind, da die Zentralbank diese Option gar nicht hat. Solange die Zentralbank die Aufgabe hat, ein vorher gewähltes Zinsniveau einzuhalten, ist sie bezüglich der Menge an Anleihen die sie kaufen oder verkaufen kann nicht mehr frei. Die Menge wird ausschließlich dadurch bestimmt, dieses Zinsniveau durch Kauf und Verkauf von Anleihen sicherzustellen. Ihre im vorigen Absatz festgestellte Unfähigkeit die Geldmenge zu steuern, belegt das. Sollte die Zentralbank Anleihen direkt vom Staat kaufen und dieser dieses Geld ausgeben, fließt es 1 zu 1 in die Bankreserven und führt dort zu einem Sinken der Zinsen. Damit das nicht passiert, muss sie im gleichen Ausmaß Anleihen verkaufen. Sie wirkt somit nur als Zwischenhändlerin und eine Monetisierung findet nicht statt. Monetisierung ist die Umwandlung von Schulden in Geld. Sie ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Goldstandards. Gold wurde monetisiert, indem der Staat neue Goldzertifikate ausgab um Gold zu kaufen. In einem erweiterten Sinn sind Schulden des Staates Geld, und das Ausgeben von Geld durch den Staat stellt eine Monetisierung all dessen dar was der Staat einkauft. Monetisierung findet auch statt, wenn die Zentralbank ausländische Währung kauft. Der Kauf ausländischer Währung wandelt diese in die eigene Währung um - monetisiert sie. Die Zentralbank bietet dann Staatsanleihen zum Verkauf an, damit dieses im Bankensystem neu geschaffene Geld zinsbringend angelegt werden kann. Dieser vielfach missverstandene Prozess wird Sterilisierung genannt.

Fortsetzung in Teil2

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