Blog

Blog

Blog

Eine Kommunikationsplattform für Familie, Freunde und Besucher, zur Diskussion von Themen des täglichen Lebens.


Sind unsere Pensionen sicher?

PolitikPosted by Gerhard Bastir 10 Feb, 2013 00:22:09

Es sind Beiträge wie dieser, der die Pensionsdebatte belastet.

In ihm wird zwar grundsätzlich die staatliche Vorsorge als „rentabler“ dargestellt als die private, bleibt aber dem Gedanken treu, dass die künftigen Ansprüche versicherungsmathematischen Berechnungen zugrunde zu legen wären. Nicht ist entfernter von der Wahrheit als dieser Gedanke. Die heutigen Einzahlungen in das Pensionssystem sind morgen schon wieder ausgezahlt. Da gibt es nichts zu veranlagen. Und es können daher daraus auch keine zukünftigen Ansprüche daraus abgeleitet werden. Auch die Stimmungsmache ist abzulehenen, die postuliert, die zukünftigen Pensionszahlungen seien nicht gesichert, weil die Zahl der Pensionisten steigt und die der Arbeitenden sinkt.

Um die Funktionsweise unseres Pensionssystems anschaulich zu machen, versuchen wir es einmal in einer stark verkleinerten Bevölkerung anzuwenden.

Unsere Gesellschaft von angenommen 10 Personen hat es auf eine Insel verschlagen und muß dort unter einfachsten Verhältnissen wirtschaften.

Weil wir es nicht gelernt haben, gelingt es jedem einzelen von uns, gerade genug „Produktion“ zu schaffen um unser eigenes Auslangen zu finden.

Wieviele von uns können sich unter diesen Vorausstzungen in Pension gehen ohne zu verhungern?

Logischerweise keiner.

Es ist unerheblich ob er die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hat, oder ob er krank ist: sobald er zu arbeiten aufhört muss er verhungern. Selbst wenn er es geschafft hätte seine Ersparnisse auf die Insel zu retten, er könnte damit nichts kaufen, da die Produktivität unserer kleinen Gesellschaft so niedrig ist, dass jeder einzelne von uns nicht mehr produzieren kann als er selbst zu überleben benötigt. Wenn es 10 Personen zu ernähren, einzukleiden und zu behausen gilt, müssen 10 Personen arbeiten.

Daraus kann man schon erkennen, dass bei jeglicher Betrachtung einer Altersversorgung, sei sie privat oder staatlich, die einzige Determinante die Produktivität ist.

Die Zeit vergeht, unsere kleine Gesellschaft hat sich entwickelt, Fertigkeiten sind entstanden, Werkzeuge und Hilfmittel wurden geschaffen und damit ist die Produktivität gestiegen.

Um die Rechnung einfach zu machen, nehmen wir an, sie hat sich verdoppelt.

Das eröffnet uns mehrere Möglichkeiten:

1.) Alle 10 arbeiten weiterhin und wir erhöhen unseren Lebensstandard auf das Doppelte.

2.) Es arbeiten nur mehr 5 von uns, wir teilen die Produktion mit den 5 anderen und behalten unseren bisherigen Lebenstandard bei.

3.) Wir wählen eine Zwischenform mit bis zu 4 nicht mehr Arbeitenden und leisten uns insgesamt immer noch einen höheren Lebenstandard als zuvor.

Vermutlich ist die Variante 3 für unsere kleine Gemeinde die sinnvollste.

Als nächstes müssten wir eine Übereinkunft treffen, unter welchen Bedingungen man zu arbeiten aufhören darf (in Pension gehen kann) und welchen Anteil an der Produktion wir diesen Personen zugestehen wollen. Das hat aber eher mehr mit Politik als mit Ökonomie zu tun. Unsere Möglichkeiten sind durch die Produktivität gegeben, während die Ausgestaltung einem gemeinsamen Empfinden von Gerechtigkeit und letzten Endes auch von den Machtverhältnissen abhängt.

Wir entwickeln unser Modell weiter und bestimmen, dass wir für 3 Pensionisten aufkommen wollen und dass alle den gleichen Lebenstandard beibehalten sollen. Das bedeutet somit , dass die Arbeitenden nur mehr 70% ihrer Produktion konsumieren können während 30% and die Pensionisten geht. Und damit hat sich´s; wir haben ein Pensionssystem.

In der realen Welt wird es natürlich etwas komplizierter. Der direkte Tausch der Güter geht so nicht mehr und es kommt Geld ins Spiel. Es muss uns dabei helfen die produzierten Güter von den Arbeitenden zu den Pensionisten zu bringen, da wir ja alle nicht mehr Nachbarn sind.

Die Rolle des Geldes hat aber keinen Einfluss darauf ob wir Pensionisten überhaupt versorgen können oder nicht, wieviele es sein können und wie groß ihr Anteil an den produzierten Gütern sein soll. Diese Frage wird aussschließlich von den Faktoren Produktivität und Verfügbarkeit von Personal, Rohstoffen und Energie bestimmt. Geld ist nur das Mittel die realen Güter zu den Pensionisten zu bringen.

Wie soll das in der realen Welt vor sich gehen? Der einfachste und geradlinigste Weg wäre der, von den Löhnen der arbeitenden Bevölkerung 30% Steuern für diesen Zweck einzuheben und die direkt an die Pensionisten zu verteilen. Und genau das macht die umlagenfinanzierte Pension. Heute vom Gehalt abgezogen, morgen an die Pensionisten ausbezahlt. Keine Versicherungsprämien, kein Ansparen, keine Veranlagung, keine Börsenspekulation, keine Finanzmathematik.

Auf diese einfachen Zusammenhänge reduziert, wird auch klar warum die derzeitige Debatte verlogen ist.

Es beginnt schon mit der Bezeichnung: Pensionsversicherung?!

Eine Versicherung steht vor der Aufgabe die jeweils einbezahlten Prämien so zu veranlagen, daß bei Leistungsanspruch, das veranlagte Kapital verrentet werden kann. Je mehr jemand eingezahlt hat und je besser die Veranlagung gelang, umso höher ist die Pension.

Nicht so bei der umlagenfinanzierten Pension. Da gibt es nichts zu veranlagen; so wie die Beiträge laufend von den Arbeitenden eingezahlt werden sind sie auch schon an die Leistungsbezieher wieder ausbezahlt. Somit ist auch das „Pensionskonto“ das unsere Regierung zuletzt beschlossen hat und derzeit eingeführt wird, eine (bewusste?) Irreführung. Da gibt es kein wirkliches Konto auf das irgend ein Betrag einbezahlt worden wäre. Somit ist auch ein aus diesen (nicht vorhandenen) Einzahlungen abgeleiteter fiktiver Leistungsanspruch eine Schimäre. Die Politik wäre gut beraten mit zutreffenden Begriffen und Bezeichnungen zu argumentieren um die Pensionsdebatte zu versachlichen. Letzten Endes sind die von den Arbeitnehmerentgelten einbehalteten Pensionsbeitäge auch nur eine Form der Besteuerung und es wäre geradliniger die Pensionen gleich direkt aus dem Steueraufkommen zu begleichen.

Dies hätte den zusätzlichen Effekt, dass nicht nur Arbeitseinkommen als Berechnungsbasis dienen würden – zumal auch noch degressiv – wegen der Maximalbemessungsgrundlage, sondern auch alle sonstigen besteuerbaren Einkommen und alle übrigen Steuern.

Da auch jetzt schon weniger Beiträge eingehoben als ausbezahlt werden, muss die auftretende Differenz ohnedies durch den sogenannten Bundeszuschuss zum Ausgleich dieser Unterdeckung mit Steuergeld ausgeglichen werden.

Wobei auch der Begriff „Bundeszuschuss“ schon wieder eine Irreführung ist. Unser staatliches Pensionssystem ist nämlich mit Fremdlasten überfrachtet wie z.B. Kriegsfolgelasten, Pensionsansprüche für Anrechnungszeiten für Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Kindererziehung.

Der Bundeszuschuss ist demgemäß kein Zuschuss sondern ein (unzureichender) Ausgleich für diese gesamtgesellschaftlichen Verpflichtungen, die ursächlich nichts mit dem Pensionssystem zu tun haben.

Aber Bundeszuschuss klingt eben besser, wenn es darum geht die Leistungsfähigkeit des Pensionssystems in Frage zu stellen und eine notwendige Anpassung (nach unten) zu begründen.

Wenn aber somit feststeht das das umlagenfinanzierte Pensionssystem ein Solidarsystem ist, und die eigenen Einzahlungen keinesfalls die Basis für die Höhe der zukünftigen Pensionsbezüge darstellen können, dann muss auch die Frage erlaubt sein, wie in einer solchen Solidargemeinschaft überhaupt unterschiedliche Höhen von Pensionsansprüchen begründet werden können.

In unserem Beispiel von vorhin, in dem eine Gesellschaft beschließt einen bestimmten Prozentsatz ihrer Produktionskapazität für den Unterhalt ihrer Alten aufzuwenden, wäre es nur gerecht wenn dieser Betrag möglichst gerecht auf alle Leistungsempfänger aufgeteilt werden würde. Damit dass der Leistungsanspruch von der Erwerbsbiografie abgekoppelt würde, schüfe die Vorrausetzung für die Verhinderung der befürchteten Altersarmut, speziell vor dem Hintergrund der steigenden Arbeitslosigkeit und Zunahme der prekären Beschäftigungsverhältnisse.

Ein Blick in die Statistik Austria zeigt, dass es im Jahr 2010 1731995 Bezieher von Alterspensionen gab und dass der Gesamtaufwand dafür € 37,5 Mrd betrug. Somit würde das eine einheitliche Alterspension von € 1546,00 14 mal pro Jahr bedeutet haben, mit der die Mehrheit der Bezugsberechtigen doch wohl über die Runden kommen sollte. Denen die sich eine Zusatzpension leisten können, haben immer noch die Möglichkeit einen Teil ihres Einkommens in eine private Pensionsversicherung einzuzahlen, für die der Staat sich aber die steuerliche Förderung ersparen könnte, wodurch die einheitliche Alterspension noch ein wenig erhöht werden könnte.

Genau genommen ist es eine Vermessenheit, wenn sich die heutige Gesellschaft das Recht herausnimmt, bestimmen zu wollen, wie künftige Generationen mit ihren Alten und Unversorgten umzugehen hat. Zumal überhaupt nicht vorbestimmt werden kann, ob die in Aussicht genommenen Bezüge dann für einen angemessenen Unterhalt ausreichen oder wegen möglichen Absinkens des allgemeinen Lebensstandards nicht vielleicht zu hoch ausfallen würden.

Die einzige Verantwortung der heutigen Generation für die Sicherheit der zukünftigen Pensionen ist dafür zu sorgen, dass Schulen und Universitäten so ausgestattet sind, dass die nachfolgende Generation entsprechend ausgebildet wird, dass Forschung und Entwicklung Innovation ermöglicht und dass die Jungen einen Arbeitsmarkt vorfinden in dem sie ihr Wissen einsetzen und vertiefen können.

Alles andere sind Nebensächlichkeiten und verschleiern nur die Debatte

  • Comments(3)//blog.tullnerbach.net/#post18