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Historisches vom Geld Teil 3

GeldPosted by Gerhard Bastir 14 Sep, 2009 15:36:57
In diesem Artikel geht es um Geld im Abendland; nicht weil es hier am meisten entwickelt oder am wichtigsten wäre, sondern weil das gegenwärtige Weltsystem direkt aus den abendländischen Institutionen hervorgegangen ist.

Tatsächlich war der Westen eher ein Nachzügler. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse sind um 3200 v. Chr. in der sumerischen Stadt Uruk zu finden. Sie handeln von Einlagegeschäften, "Außenhandels"-Transaktionen, besicherter und unbesicherter Kreditvergabe in der eigenen Stadt und mit angrenzenden Stadtstaaten.

Die ersten offiziellen Bankgesetze sind Teil des Codex Hammurabi (um 1750 v. Chr.). Die älteste Privatbank deren Name überliefert ist, ist die Gesellschaft der "Enkel von Egibi" im 7. vorchristlichen Jahrhundert in Babylon. Diese babylonischen Banken können in Anbetracht ihrer durchstrukturierten Organisation, der Zahl ihrer Filialen und Angestellten, ihrer täglichen Aufzeichnungen über das dort investierte Kapital durchaus mit den größten Banken des 19. und 20. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung verglichen werden.

Die erste unserem modernen Geld ähnliche Papierwährung wurde in China während der Herrschaftszeit von Hien Tsung (806 - 821 n. Chr.) als vorübergehender Ersatz für die traditionellen Bronzemünzen ausgegeben. Um 900 n. Chr. war Papiergeld in China sehr verbreitet, und China hatte auch die zweifelhafte Ehre, als erstes Land eine Hyperinflation erlebt zu haben: Im Jahr 1020 wurde im Übermaß Papiergeld ausgegeben im Gegenwert von insgesamt 2 830 000 Unzen Silber. Man wählte sogar eine parfümierte Mischung aus Seide und Papier, um dem Geld zu höherem Ansehen zu verhelfen, doch vergebens; Inflation und Geldentwertung entwickelten sich in einem Ausmaß, das mit den Zuständen in Deutschland und Rußland nach dem Ersten Weltkrieg zu vergleichen
war.

Der Westen hörte von Papiergeld - ungläubig staunend - zum ersten Mal durch Marco Polo, der von 1275 bis 1292 China bereiste. "In der Stadt Kanbalu befindet sich die Münze des Großkhans, von dem man zu Recht sagen kann, daß er das Geheimnis der Alchemisten besitze, da er die Kunst beherrscht, Papiergeld zu machen... Sämtliche Armeen seiner Majestät werden mit dieser Währung entlohnt, und sie bedeutet ihnen das gleiche wie Gold oder Silber. Darum können wir mit Fug und Recht sagen, daß der Großkhan über größere Reichtümer gebietet als irgendein anderer Herrscher im Universum."

Das Papiergeld des Kublai Khan war auch eine der ersten Weltwährungen, zeitweise wurde sie von China bis zum Baltikum akzeptiert, fast 500 Jahre bevor dies in Europa üblich war.

Die Alchemie des Geldes

Die Alchemie des modernen Geldes (oder mit der offiziellen Bezeichnung "Geldmengenmultiplikator") beginnt damit, dass, sagen wir, 100 Millionen "Zentralbankgeld" in das Bankensystem eingeschossen werden, z.B. weil die
Zentralbank Rechnungen der Regierung in dieser Höhe begleichen muß. Diese Mittel werden schließlich von den Empfängern irgendwo im Bankensystem hinterlegt, und das ermöglicht der Bank, die eine solche Einlage erhalten
hat, irgend jemandem ein Darlehen über 90 Millionen zu geben (die restlichen 10 Millionen werden "stillgelegte Mittel"). Das Darlehen über 90 Millionen wird wiederum eine Einlage in entsprechender Höhe erbringen, damit ist die nächste Bank in der Lage, ein weiteres Darlehen über 81 Millionen zu vergeben - usw. Auf diese Weise können auf dem Weg durch das Bankensystem aus den ursprünglich 100 Millionen der Zentralbank 900 Millionen als "Kreditgeld" entstehen.

Das Geheimnis bei der Schaffung von Geld besteht darin, die Menschen dazu zu bringen, daß sie die Aussage »Ich schulde dir etwas« (das Versprechen, in der Zukunft zu zahlen) als Tauschmittel akzeptieren. Wer immer diesen Trick beherrscht, kann aus dem Vorgang ein Einkommen erzielen (im Mittelalter die Gebühren des Goldschmieds, heute die Zinsen auf das Darlehen, aus dem das Geld entsteht).

Nachdem der Nationalstaat die maßgebliche Macht geworden war, schlossen die Regierungen und das Bankensystem einen Handel ab. Das Bankensystem erhielt das Recht, Geld als "gesetzliches Zahlungsmittel" in Umlauf zu bringen,
und im Gegenzug verpflichtete es sich, jederzeit finanzielle Mittel in der von der Regierung benötigten Höhe zur Verfügung zu stellen. Die älteste überlieferte Vereinbarung dieser Art ist die Lizenz der »Bank der Reichsstände« in Schweden aus dem Jahr 1668 (1867 wurde der Name in »Riksbank« geändert, und so heißt die schwedische Zentralbank bis heute).

Das schwedische Modell wurde ein Jahrzehnt später in Großbritannien mit der Gründung der Bank of England (1688) kopiert, und von dort aus verbreitete es sich über die ganze Welt. Die kleine alte Dame aus der Threadneedle Street, wie die englische Zentralbank in der Londoner City heißt, ist in jeder Hinsicht für das Geld, was der Petersdom für den christlichen Glauben darstellt. Und der Ruf ist wohlverdient, denn der größte Teil der Kunst des Umgangs mit Geld, einschließlich aller ihrer geheimnisvollen Elemente, nahm von hier seinen Ausgang.

Eine Zentralbank nimmt jede Staatsanleihe, die die Öffentlichkeit nicht kauft, entgegen und stellt im Gegenzug einen Scheck über die entsprechende Summe aus. Der Scheck deckt die Ausgaben der Regierung, und die Empfänger lösen sie auf ihre eigenen Bankkonten ein. An dieser Stelle kommen die geheimnisvollen »Mindestreserven« ins Spiel. Jede Bank kann für jede Einlage, die sie entgegennimmt, neues Geld ausgeben, hauptsächlich in Form eines Darlehens an einen Kunden, wobei das Darlehen bis zu 90 Prozent des Werts der Einlage ausmachen darf.

Das neue Darlehen beispielsweise eine Hypothek, damit jemand ein Haus kaufen kann hat zur Folge, daß der Verkäufer des Hauses irgendwo im Bankensystem eine neue Einlage tätigt. Im Gegenzug darf die Bank, die diese Einlage erhält, ein weiteres Darlehen über 90 Prozent der neuen Einlage gewähren, und so fließt die Kaskade über Einlagen und Darlehen durch das Bankensystem. Was als Scheck der Zentralbank über 100 Millionen begonnen hat (sog. Zentralbankgeld), erlaubt auf dem Weg durch die Geschäftsbanken die Schaffung von weiteren 900 Millionen in Form von Darlehen.

Durch dieses Zusammenspiel wird der Handel zwischen den Regierungen und dem Bankensystem umgesetzt, und deshalb steht hinter »unserem« Geld letztlich das gesamte Bankensystem des Landes. Geld und Schulden sind somit buchstäblich die beiden Seiten einer Münze. Wenn wir alle schlagartig unsere sämtlichen Schulden zurückzahlen könnten, würde das Geld aus unserer Welt verschwinden, weil der gesamte Prozeß der Schaffung des Geldes weiter oben beschrieben als »Alchemie des Geldes« sich damit umkehrte. Die Rückzahlung aller Kredite hätte in der Tat die Auflösung aller Einlagen zur Folge. Selbst das Zentralbankgeld würde sich in Luft auflösen, wenn die Regierung ihre Schulden zurückzahlen könnte.





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